Das Kloster Mohrkirchen

 

Mit dem Verkauf des Hofes im Jahre 1391 beginnt für Mohrkirchen ein neuer Zeitabschitt. Schon bald werden die Mönche aus Tempzin ihr Kloster in Mohrkirchen eingerichtet haben.Möglicher weise wurden die alten Gebäude der Wehrburg vorübergehend zu Klosterzwecken genutzt.
Es ist aber davon auszugehen, daß schon bald nach 1400 mit dem Neubau der Klostergebäude begonnen wurde. Wo also bisher ein "Räubernest" gewesen sein soll,gingen nun die Mönche ihrem frommen Treiben nach.
Durch den Verkauf des Edelhofs Moerker konnte das Antoniterkloster Tempzin in Mohrkirchen ein Tochterkloster gründen.
Anscheinend waren schon vor 1391 Antonitermönche in Mohrkirch, denn in den "Westphalen Monmenta" wird schon 1390 die "Geistkichkeit zu Mohrkirchen" erwähnt.: Das halbe Dorf Dockendorff haben die Stacken der Geitlichkeit zu Mohrkirchen verpfändet und wor es fürder hinkommen ist. ao.1390",  
Vermutlich wirkten in der Gegend schon Antoniter, aber sicher ist, daß das Kloster erst 1391 durch den Erwerb des Hofes Moerker gegründet wurde. Über die Mönche in Mohrkirchen wissen wir nicht viel.

Ihre hauptaufgabe wird die Verrichtung gottesdienstlicher Übungen gewesen sein.So schenkte Königin Dorothea dem Kloster Mohrkirchen im Jahre 1484 300 Gulden, wofür die Mönche feierliche Messen und Vigilien lasen. Auch die Krankenpflege wird von den Mönchen in Mohrkirchen betrieben worden sein. Ferner sollen die Mönche eine imponierende Schweinezucht betrieben haben und hatten auch für die fastenzeit gut vorgesorgt. Ihnen wird nachgesagt, die Weinbergschnecken aus Frankreich in Angeln eingeführt zu haben. Außerdem wurde im großem Maße Fischzucht betrieben. Nur so ist die große Anzahl von Teichen in Mohrkirch bis ins 18. Jahrhundert zu erklären. Die Mönche trugen als Kleidung einen schwarzen Leibrock ohne Knöpfe, der von einem Gürtel zusammengehalten wurde. Über dem Leibrock trugen sie eine Art Radmantel und auf dem Kopf einen runden Mönchshut. Auf der Brust des Leibrocks war ein großes blaues "T" aufgenäht -Das Zeichen der Antoniter,welches sich bis heute im Wappen der Landschaft Angeln als Zeichen der Mohrkirchharde erhalten hat. Dieses "T" windet sich auch in einem Siegel (Bild links) des Klosters Mohrkirchen Von 1483. Nach der Gründung des Klosters Mohrkirchen 1391 müßen Ansehen und Bedeutung des Klosters schnell gestiegen sein. Am 27.03.1398 gab Papst Bonifaz IX. in Rom denjenigen, die zu Fronleichnam das Antoniterkloster

Mohrkirchen besuchten, denselben Ablaß wie denen, die zu Christi Himmelfahrt die Markuskirche in Venedig besuchten.
Das Kloster erhielt im Laufe der Zeit Patronatsrechte über mehrere Kirchen,wie z.B. die Kirche in Norderbrarup (um 1400), die Kirche zu Böel (1473) und die Kirche von Prestö auf der dänischen Insel Seeland (1470)
So breitete sich das Betreuungsgebiet von Mohrkirchen immer weiter aus und der Präzeptor (Leiter) des Mohrkircher Klosters wurde ein angesehender Mann. Immerhin befand sich unter den Prälaten des Herzogtums im Jahre 1535 auch der Pater zu Mohrkirchen.

 

Für das Kloster Mohrkirchen werden im Laufe der Jahre folgende Präzeptoren und Gebieter genannt:

1391- Petrus Berlonis (zugleich in Tempzin)
1409-1417 wird genannt Wilhelm de Chacepolli (von Vienna)
bis 1419 Trometus de Bergnis
ab April 1419 Wilhelm de Chacepolli (zugleich in Tempzin)
1463-1493 wird genannt Paulus Winter
1499-1502 wird genannt Nicolaus Veltoropp
1506-1527 wird genannt Jordan Kluver (zugleich in Prestö)

An der Außenmauer des Klosters Mohrkirchen soll in gebrannten Steinen geschrieben gewesen sein "Im Jahre 1506 war damals Cluver der ordnungsmäßige Leiter des Hauses". Dieses ist aber nicht urkundlich belegt.Urkundlich genannt wird Jordan Kluver erstmals 1508.
Die Rechte des Klosters wurden von den jeweiligen Landesherren bstätigt. So bestätigte am 06.12.1462 Christin I. die Briefe (Ablaßbriefe) des Papstes für die Antoniter auf Schweine und Vieh, damit das Kloster Mohrkirchen möge schneller aufgebaut und verbessert werden.Aufgrund dieser Angabe liegt die Vermutung nahe, daß um diese Zeit noch am
Klostergebäude gebaut wurde. Das herrschaftlich wirkende Klostergebäude entstand etwas nördlich des ehemaligen Edelhofes. es handelt sich um eine Vierflügelanlage mit Treppengiebeln und einem Turm im Südflügel. Auf der Innenseite des Hofes befanden sich gewölbte Gänge, wahrscheinlich der Kreuzgang des Klosters. Und auch eine

Klosterkirche mit Altar und Orgel war nach alten Urkunden vorhanden. Neben dem Hauptgebäude sind wohl auch einige Wirtschaftsgebäude rund um das Kloster entstanden. weiter gehören dem Kloster drei Mühlen, nämlich seit 1391 die Mohrkircher Wassermühle sowie die Wassermühle des Hofes Kiesby (Kiesperdiek) und die Mühle von Langwatt bei Sterup, die durch spätere Grunderwerbungen zum Kloster kamen. Durch Ankauf mehrere Liegenschaften erstreckte sich der Grundbesitz des Klosters verstreut über die ganze Landschaft Angeln.

So kaufte das Kloster Mohrkirchen z.B. den Hof zu Kiesby (Kiesperdiek) im Jahre 1467, den Hof zu Ahneby 1478, Güter zu Osterholm 1487,den Hof zu Rüggesgaard 1487 und Güter zu Möllmark im Kirchspiel Sörup 1499. Seit 1391 gehörten ja auch die Feldmarken Baustrup und Spenting zum Kloster.

 

Um 1500 hatte das Kloster Mohrkirchen folgende Besitzungen:

Mohrkirchen Kirchspiel Böel Klostergrundstück
Baustrup Ksp. Böel wüste Feldmark
Spenting Ksp. Böel wüste Feldmark
Rüggesgaard Ksp. Norderbrarup Einzelhof
Böel Ksp. Böel Streubesitz
Böelschuby Ksp. Böel Streubesitz
Schrixdorf Ksp. Böel ehem. Dorf, ganz
Schnarup Ksp. Thumby Streubesitz
Thumby Ksp. Thumby Streubesitz
Rüde Ksp. Satrup Streubesitz
Obdrup Krs. Satrup ehem. Dorf, ganz
Sörupschauby Ksp. Sörup Streubesitz
Möllmark Krs. Sörup Größter Teil
Ahneby Krs. Sterup Streubesitz
Sterup Krs. Sterup Streubesitz
Boltoft Krs. Sterup Streubesitz
Osterholm Krs. Sterup ganz
Niesgrau Krs. Sterup Einzelhof
Steinberg Krs. Steinberg Streubesitz
Habernis Krs. Quern Länderein

 

Dem Mohrkircher Kloster war ein sogenannter Kaland, eine Laienbruderschaft, angeschlossen. Um 1510 wurde die kalandsbruderschaft  "des Leibes Christi in Moerkerken" gestiftet "zum Ruhm und zur Ehre des allmächtigen Gottes". 

Beim Tod eines Bruders der Laienbruderschaft fanden sich alle Mitglieder zu dessen Leichenbegräbnis ein. Starb ein fremder Priester in Angeln, so wurde er als Werk der Barmherzigkeit von den Brüdern des Kalands begraben.
BNeben verschiedenen Kleinodien, die in der Klosterkirche von Mohrkirchen aufbewahrt wurden, besaß der Kaland im Jahre 1530 auch zwei Renten in Flensburger Häusern in Höhe von je 20 Mark, was eine jährliche Einnahme von 4 Mark darstellte. Starb ein Bruder, so sollte er den Kaland in deinem testament berücksichtigen.
Der Reichtum und der Aufwand beim Festessen wurde besonders zur Zeit der Reformation nicht unkritisch beobachtet, so daß um 1542 die Einnahmen der Laienbrüderschaften den Kirchen, Schulen oder Hospitälern übertragen wurden.
Dem Mohrkircher Kaland wird es nicht anders gegangen sein, denn mit der Auflösung des Klosters Mohrkirchen wird er seinen Mittelpunkt verloren haben und aufgelöst worden sein. Schon im Vorfeld der Reformation erhöhte sich die Kritik am teils überschwänglichen Treiben der Klöster. Man warf den Klöstern Reichtum und Vernachlässigung der kirchlichen Handlungen vor.
So entstanden um 1530 auch für das Kloster Mohrkirchen Spottgedichte Eines dieser Spottgedichte soll wohl wohl hinweisen auf die Sammelleidenschaft der Mohrkircher Mönche, die besonders gerne Schweinefleisch entgegennahmen.

 

Das Gedicht besagt inhaltlich folgendes:

In Aalborg wohnte ein Mohrkircher Antonitermönch namens Lavrens Pedersten. Als in Nordjütland ein Mensch, der sein Leben verhext hatte, gevierteilt werden sollte, kam Lavrens Pedersen zum Henker und verlangte das Herz des Toten Mannes. Der Henker wollte sich ein Scherz mit dem Priester erlauben und gab ihm stattdessen ein Schweineherz. Dieses wickelte Lavrens Pedersen ein und legte es in seinen Schrein dann fuhr er mit dem Herz nach Mohrkirch in den wald und vergrub es in der graoben Erde. Von nun an liefen alle Schweine zwischen Skagen und der Schlei zu diesem besagten Baum hin, und die Mönche wurden sehr bekannt. Die Schweine kamen zwar langsam, aber Lavrens Pedersen sandte viele hundert Sück, so saß in Mohrkirch "Speck-Glück" war. ....Soweit dieses Gedicht.
Es ist davon auszugehen, daß Lavrens Pedersen mit dem Herz wohl Menschen nach Mohrkirch locken wollte, wegen des Schweineherzens kamen aber Schweine.

 

Ein weiteres Spottgedicht aus jener Zeit besagt folgendes:

"Christus sagte nicht, du sollst zum Papste laufen und Ablaßbriefe kaufen. Du sollst Fleisch nach Mohrkirch geben, damit sie dich in die Bruderschaft eintragen."
Wann das Klooster Mohrkirchen im Zuge der Reformation aufgelöst wurde, ist nicht genau bekannt. Im Jahre 1535 findet sich der Pater zu Mohrkirchen noch unter den Prälatendes landes, am 05.04.1541 wurde dem König ein Bericht über eine Visitationsreise durch die noch bestehenden Feldklöster geschrieben. Dem Bericht zufolge bestand das Kloster Mohrkirchen dann schon nicht mehr. Es muß also um 1541 endgültig aufgelöst worden sein.

 

Zur Auflösungdes Klosters schreibt die alte Böeler Kirchenchronik:

"Nachdem das Kloster die Mönche verlobet und abgegangen, ist von I.H. Gnaden zu Gottorf, Herzog Adolfen, ein Buknecht und Aufseher verordnet, welcher geheißen Peter Hollensen und ist eine Zeit hier unter Suspektion des Amtmanns zu Gottorf gewesen. Er hatte alle Schriften und Bücher der Mönche verbrannt."
Hieraus erklärt sich auch, warum heute keine urkunden mehr über das tägliche Leben der Mönche im Kloster berichten. Erhalten blieben lediglich Teile der mit lateinischen Liedern beschriebene Pergamentbögen aus dem Kloster, mit denen später die Amtsrechnungen des Amtes Mohrkirchen eingebunden wurden. 

Die Stätte, wo bisher die Mönche ein- und ausgegangen waren, wurde nun (1544) zum Mittelpunkt des neuen Amtes Mohrkirch.