Das Amt Mohrkirchen

 

erlebt den 30 Jährigen Krieg

 

Auszug aus einer Arbeit des Lehrers Wilhelm Kühl (1885 bis 1952)

aus dem Jahre 1944

 

Über die Zeit von 1619 bis 1649 sind wir durch die Aufzeichnung des Amtsverwalters Claus Petersen, der während dieser Zeit das Amt Mohrkirchen mit dem Edelhof Mohrkirchen und dem Meierhof Schrixdorf verwaltet, sehr gut unterrichtet. Aus seinen und anderen Urkunden formt sich für uns ein anschauliches Bild vom Zeitgeschehen vor 300 Jahren.
Am schwersten hatte die Bevölklerung in den Jahren 1627 bis 1629 unter den Kaiserlichen, sowie 1643 bis 1645 unter den schwedischen völkern zu leiden. So lies der schwedische Marschall Torstensen im Juli 1644 ganz Angeln, zumeist die Leute des Fürsten von Holstein, plündern. Die Plünderung dauerte fast acht Tage. dabei wurde auch die Kirche in Böel geplündert und alles mitgenommen, was die Leute aus dem Kirchspiel dort verborgen hatten.
Ebenso wurden 1645 fast alle Kirchen in Angeln durch den schwedischen Obersten Helmd Wrangel geplündert. Fast ohne Unterbrechung zogen die Truppen auf dem Wege zwischen Kappeln und Flensburg hin und her.
Dabei wurden die Bewohner mit Einquartierungen und Plünderungen stark beschwert.Hierbei hatte Mohrkirch doppelt soviel zu leiden wie die Nachbargüter.
So heißt es in einer Urkunde: "Im großen Feld zu Mohrkirchen, so mit Roggen, Gerste, und Habern besät gewesen, haben die Dragoner** mit ihrem unaufhörlichen Durchreiten und Mähen, indem sie nach vergrabenen Schätzen gesucht, und auch mit Gräsung der Pferde, so sie im Korn gehen lassen, großen Schaden getan, etwa 50 Fuder Heu wurden weggeführt" Auf dem Schrixdorfer Feld hatten die Mohrkircher Hufner* gegen eine Pacht von 716 Rth. Weide für Vieh und Pferde. Die Schweden aber hatten ihren stetigen Marsch dadurch und weideten dort nicht nur ihr geraubtes Vieh und Pferde, sondern nahmen noch dazu Vieh und Pferde der Hufner. darum waren diese nicht in der Lage, ihre Pacht zu bezahlen und konnten ihnen nur mit großer Mühe 255 Rth. abgepreßt werden. Auch die Mohrkircher Kätner konnten ihre Pacht für die Weide im Mohrkircher Holz nicht bezahlen.

Dragoner um 1645

 Auch Ihnen wurde Vieh und Pferde geraubt. Dazu lagen Reiter und Dragoner stets im Holz und in ihren Wohnungen, sodaß sie von ihren Wohnungen weichen mußten. Sie behielten nicht das Geringste, nicht einmal eine Gans.

So ist es verständlich, wenn dem Amtsverwalter am 13.Jan.1645 aufgelegt wird, für die auf dem Rückweg befindlichen Truppen Proviant bereit zu halten, damit die ausgemerkelten armen Leute nicht völlig ruiniert würden.

Um dieser Unsicherheit zu begegnen, erlangte das Dorf Böel wie auch der Hof Mohrkirchen vom 1.Mai bis 1.Juni 1645 den Vizi-Korporal Hans Syde von Obrist Wrangels Leibkompanie mit seinem Weib Telsche, 2 Jungen und 5 Pferden. Er erhielt in dieser Zeit 34 Rth., freie Kost sowie Futter, Heu und Sroh für die Pferde, und bei ihrem Fortgang 1 Schinken, 1 Käse, 10 Pfund Butter und 6 Schipp Hafer. Ihre Aufgabe bestand darin, etwas geraubtes Vieh den Reitern wieder abzunehmen, Reiter und Dragoner aus Holz und Vieh zu jagen.
Viel Nutzen scheint man von ihnen aber nicht gehabt zu haben, denn die Besatzungen luden sich gegenseitig ein, hielten große Gästerein ab, haben nichts als gefressen und gesoffen.
Wegen ihres geringen Nutzens nahm man daher auch noch Hirten und Hüter an, die Tag und Nacht um die Kühe und das Jungvieh herumgehen mußten, damit, wenn straufende Parteien vorhanden, dieses der Schutzbesatzung in geschwinder Eil anzukünden, um diese abwehren zu können.
Viel Unfug wurde von den durchziehenden Truppen auch in Böel getrieben. Hier plünderte man nicht nur Bewohner, sondern sogar die Besatzung aus. Da griffen die Bewohner schließlich zur Gegenwehr. Das zeigte sich, als in der nacht vom 23. zum 24.Juli Reiter ins Dorf eindrangen. In 6 Häusern schlugen sie die Türen ein und raubten in gewohnter weise, was sie kriegen konnten. Auch die Besatzung wurde verjagt. da ließ der Pastor die Sturmglocke läuten. Die Dorfbewohner strömten zusammen, man suchte die Besatzung auf  und dann ging es mit geschrei auf die Reiter los, die wohl inzwischen zur Ruhe gegangen waren. Zwei von ihnen wurden gefangen genommen, auch 14 Pferde nahm man ihnen ab; die anderen wichen nach empfangenen Schlägen.
Bauernrache - Szenen aus dem Soldatenleben. Auch wenn das Bild von 1643 nicht aus Schleswig und Holstein stammt, illustriert es doch die auch hier verbreitete Verbitterung der Bauern gegen die Söldnerheere, die im Dreißigjährigen Krieg "aus dem Land lebten"
Am Morgen kamen 6 Reiter und ein Cornet*** zurück, um ihre Pferde wiederzuholen. Aber alle, bis auf den Cornet, wurden ergriffen und nach Gottorf geführt. Hier wurde an ihnene ein Exempel Statuiert als abschreckendes Beispiel für ganz Angeln. Durch den Frieden von Brömsebry im Jahre 1645 zwischen Dänemark und Schweden wurden den Leiden der Bevölkerung zunächst ein Ende gemacht. Doch schon in dem sogenannten Polackenkrieg 1658 bis 1660 wiederholten sich Plünderungen und Einquartierungen.
So können wir verstehen, wenn in einem Verzeichnis vom Jahre 1662 allein im kleinen Dorf Ahneby zwölf wüste Hufen genannt werden. Viele dieser Hufen sind abgebrannt, oder die früheren Besitzer erschlagen, anderen fehlt es an Vieh, Pferden, Brot und Saatkorn.
Als die erste Hilfeleistung für diese Hufen wurden im Amt Mohrkirchen 2431 Rth. angefordert.
So hatten unsere Vorfahren in langen Kriegsjahren viel Not und Elend zu erdulden, aber durch mühevolle Arbeit und größte Sparsamkeit schufen sie sich eine neue Exisdenz und legten die Grundlage für spätere Generationen.

 

 

* Hufner = Bauer, Grundbesitzer

** Dragoner = Fußsoldaten zu Pferd (Das Pferd wurde fast nur zum Mobilitätsgewinn, nicht aber für den Kampf verwendet)

*** Cornet = Fahnenträger in Landsknechtheeren