Die Gemeinden Mohrkirch-Wester- und Osterholz

 

bis 1945

 

Nachdem die Preußen von den Herzogtümern Schleswig und Holsten 1864 Besitz ergriffen hatten, ging der Preußische Staat sofort in die Reformierung des Verwaltungs- und Gerichtswesen.
Per Gesetz vom 26. Juni 1867 wurde die Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung eingeführt. Die Gerichtsbarkeit wurde nun ausgeübt durch unabhängige Amts- und Kreisgerichte. Mohrkirch ist seit dieser Zeit dem Amtsgericht in Kappeln zugeordnert. Die alte Hardenortnung verschwand durch eine Verordnung vom 22. September 1867. Es wurde ein Kreis Schleswig gebildet, der sich aus vier Hardesvogteibezirken zusammengesetzt. Mit der Kreisordnung vom 1. September 1888 verschwanden auch die restlichen Hardesbezirke, der Kreis Schleswig wurde in Amtsbezirke eingeteilt.
Im Jahre 1871 wurden offiziell die beiden Gemeinden Mohrkirch-Osterholz und Mohrkirchwesterholz gebildet. Oberste Ehrenbeamte der Gemeinden waren die Gemeindevorsteher, je einer für jede Gemeinde. Beschlußorgan für die angelegenheiten der Gemeinde war die Gemeindevertretung, die sich aus den Gemeindeverordnungen (heute Gemeindevertreter) zusammensetzte.
Der Gemeindevorsteher hatte den Vorsitz in der Gemeindevertretung, führte außerdem die Gemeindekasse und die Einwohnerliste, war zuständig für Schulen und Abgaben der Einwohner oder für die An- und Abmeldung der Einwohner.
Am 20. November 1873 wurde das Gehege Eslingholz mit dem Waldwärterhaus, Köhnholzkjer und Baustrup in die Gemeinde Mohrkirch-Westerholz eingegliedert.
Ein Beschlußorgan wie die heutigen Gemeindevertretungen gab es um 1871 noch nicht. Stadessen wurden zur sogenannten "Gemeindeversammlung" alle stimmberechtigeten Einwohner eingeladen, um die Beschlüsse zu fassen. Die Stimmberechtigten waren nach einem Beschluß vom 15. April 1871 vom Grundbesitz abhängig. Wer einen Grundbesitz von bis zu 25 Heitscheffel* hatte, bekam eine Stimme, von 25- 50 Heitscheffel gab es zwei Stimmen und für jede weitere 25 Heitscheffel Land kam eine weitere Stimme hinzu.
Die Resonanz an den Gemeindevertretungen war allerdings nicht besonders groß, so daß am 26. September 1871 jedes Gemeindemitglied zur Teilnahme verpflichtet wurde. Wer ohne triftigen Grund fehlte, hatte eine Geldstrafe zu zahlen.
Die Gemeindeversammlung Mohrkirch-Osterholz und die spätere Gemeindevertretung tagte in der Gaststätte Mohrkirchkrug.Das Stimmrecht wurde am 20. März 1873 abschließend geregelt. Danach durfte nur abstimmen, wer in der Gemeinde wohnte, dort einen eigenen Hausstand und ein Wohnhaus hatte. Die Zahl der Stimmen hing vom Steueraufkommen ab. Wer bis zu 10 Taler Steuern zahlte hatte eine Stimme, 10 - 20 Taler Steuern bedeuteten zwei Stimmen und für jede weitere 10 Taler gab es eine Stimme hinzu. 
Oberhaupt der Gemeinde war der Gemeindevorsteher, der von der Gemeindeversammlung auf sechs Jahre gewählr wurde.
Die Gemeinde Mohrkirch-Osterholz und -Westerholz gehörten zum Amtsbezirk Böel, dessen Oberhaupt der Amtsvorsteher war.Im 12 köpfigen Amtsausschuß waren alle angehörigen Gemeinden vertreten. Erster Gemeindevorsteher in Mohrkirch-Osterholz war Asmus Nissen, Mohrkirchen, sein Nachfolger wurde am 29. Juni 1874 der Kätner** Claus Riggelsen.
Nachdem Riggelsen auf eigenem Wunsch Anfang 1891 aus diesem Amt ausgeschieden war, wurde eine Neuwahl durchgeführt. Im ersten wahlgang erhielten der Kätner Heinrich Riggelsen und der Parzellist*** Peter Börnsen je 42 Stimmen, im zweiten Wahlgang konnte sich Riggelsen mit 56 Stimmen gegen Börnsen (40 Stimmen) durchsetzen und wurde neuer Gemeindevorsteher.
im Jahre 1893 wurde die Gemeindeversammlung durch die Gemeindevertretung abgelöst. Sie setzte sich aus sechs gewählten "Gemeindeverordneten" zusammen, die durch Handschlag auf ihr Amt verpflichtet wurden.

1897 wurde dem Gemeindevorsteher Riggelsen eine Entschädigung non 280 Mark jährlich bewilligt, hiervon mußte er aber selbst Porokosten bestreiten.

Beschlossen wurde von der Gemeindevertretung unter anderem am 16. Juni 1900, einen Baustein zum Bau des Bismarkturmes auf dem Scheersberg zu stiften.
Um eine bessere Vertretung aller Erwerbsgruppen in der Gemeindevertretung zu erreichen, wurde dren Mitgliederzahlen 1919 von sechs auf acht erhöht.
Im August 1922 trat Heinrich Riggelsen als Gemeindevorsteher zurück, das Amt des Amtsvorstehers wollte er aber beinehalten, um nicht ganz aus dem öffentlichen Leben auszuscheiden. Der Kreisausschuß des Kreises Schleswig beschloß daraufhin, ihm ein Diplom für über 30jährige Dienstzeit als Gemeindevorsteher zu überreichen. Nachfolger wurde Heinrich Bendixen, Spenting.
Interessant ist, das anscheinend schon Ende der 20er Jahre über die zusammenlegung der beiden Gemeinden Westerholz und Osterholz nachgedacht wurde. Im Protokoll der Gemeindevertretung Mohrkirch-Osterholz vom 6. Juni 1929 lesen wir: "Die Zusammenlegung der Gemeinde mit Mohrkirch-Westerholz wird mit Rücksicht auf die große Einwohnerzahl abgelehnt."
Die nationalsozialistische Herrschaft sorgte auch im kommunalen Bereich für Veränderung. Nach einem Beschluß des Kreisausschusses, der an die Stelle der kraft Gesetz aufgelösten Gemeindevertretung Mohrkirch-Osterholz getreten war, wurde die Zahl der Gemeindeverordneten auf sechs herabgesetzt. Am 28. März 1933 wurde der Tischler Georg Lassen zum Bürgermeister von Mohrkirch-Osterholz gewählt. Aus dem Gemeindevorsteher wurde nun der Bürgermeister. Die Bezeichnung hat heute noch Geltung.
In Mohrkirch-Westerholz wurde 1933 der Landmann Nikolaus Paulsen zum Bürgermeister gewählt. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges blieb die Kommunalverfassung dann unverändert, bis nach 1945 zahlreiche Neuerungen eingeführt wurden.

 

 

*Heitscheffel = Ein Heitscheffel ist ein altes Flächenmaß im Herzogtum Schleswig. Mit Heitscheffel wurde Jahrhunderte lang zu dänischer Zeit die Parcellengröße bestimmt.  

Man kann heute nicht mehr genau umrechnen, wieviel Heitscheffel ein Hektar waren.
**Kätner = Die Höfe der Kätner waren meist am Dorfrand angesiedelt oder von alten Höfen abgeteilt. Da der Ertrag häufig nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, verrichteten sie meist zusätzlich handwerkliche Arbeiten oder arbeiteten im Tagesdienst auf Bauern- und Herrenhöfen.

***Parzellist = Bistzer eines kleinen Stück Land zur landwirschaftlichen Nutzung