Die Schule Mohrkirch-Osterholz

 

 

Das 1868 neu errichtete Schulgebäude (Bild unten) hatte eine weiche Bedachung und bestand aus der Lehrerwohnung, dem Schulzimmer und dem Wirtschaftsgebäude, das für die vom Lehrer betriebene Landwirtschaft erforderlich war.
Der noch fehlende Spiel- und Turnplatz wurde 1874 für 300 Mark gekauft und 1875 mit Geräten versehen. Da die Kinderzahl 1887 auf über 80 stieg und eine weitere Zunahme vorauszusehen war, ordnete das Königliche Visitatorium die Errichtung eine zweiten Schulklasse an. Das Bauvorhaben wurde von Handwerkern des Dorfes durchgeführt. Am 1. November

konnte der Unterricht in dem neuen Raum aufgenommen werden. 1892 wurde die zweite Lehrstelle in eine Lehrerrinnenstelle umgewandelt. Das pensionsanrechnungsfähige Gehalt wurde auf 900 Mark festgesetzt, dazu kam bei Erteilung des handarbeitsunterrichtes noch eine Vergütung von 40 Mark.

Am 22.04.1901 entstand im Dachstroh, das im Garten lagerte, weil die Südseite des Schulhauses neu gedeckt werden sollte, ein Feuer. Es griff schnell um sich und vernichtete das gesamte Schulgebäude. Die Einrichtung konnte aber zum größten Teil gerettet werden. Die Ursache des Feuers blieb ungeklärt; man vermutet, daß es spielende Kinder warenUnterricht der Unterstufe wurde nach dem Brand im Saal der Gastwirtschaft Mohrkirchkrug und der Oberstufe in dem Hökerladen des von der Gemeinde gekauften Hauses abgehalten. Dort wurde auch die Lehrerfamilie untergebracht.

Den Bauauftrag für die neue Schule (Bild links), die neben den zwei Klassenräumen auch zwei Lehrerwohnungen umfassen sollte, erhielt der Mohrkircher Baumeister Franzen. Die Kosten für die Gemeinde betrugen 21611,11 Mark. Am 03.01.1902 konnte der Schulbetrieb in dem neuen Gebäude, das nun mit Naturschiefer gedeckt war, aufgenommen werden. Aus den nächsten

Jahren sind keine besonderen Vorkommnisse in der Schulchronik verzeichnet.. Erst über die jahre des ersten Weltkrieges wird wieder ausführlich berichtet, nicht nur über die Schulverhältnisse, sondern auch über den Kriegsverlauf. Der zweite Lehrer, Herr Wilhelm Kühl, wurde gleich nach Kriegsbeginn eingezogen.Der Unterricht in beiden Klassen mußte von dem Lehrer Christian Worm (Bild unten rechts) übernommen werden, und zwar vormittags 24 Std. in der Oberklasse und Nachmittags 14. Std. in der Unterklasse. Nach dem Waffenstillstand 1918 normalisierten sich die Schulverhältnisse.

 Der Lehrer Wilhelm Kühl (Bild links) konnte seine Arbeit wieder aufnehmen, nachdem er nach seiner Wiederherstellung von seiner sich im Oktober 1914 zugezogenen Verwundung von Februar 1917 bis Januar 1919 die erste  Lehrstelle in Mohrkirchwesterholz verwaltet hatte. Die Schule wurde von nun an zweiklassig geführt. Alle 106 Schüler bekamen vollen Unterricht. 1920 wird zum erstenmal die Wahl eines Eltenbeirates erwähnt. Sie wurde nach streng demokratischen regeln durchgeführt. Im

Jahre 1926 gab es die erste Schuluntersuchung, die von Dr. med. Peters aus Süderbrarup durchgeführt wurde. 1931 sank die Schülerzahl auf 68; die Entwicklung in Mohrkirch-Westerholz war ähnlich. Und so beabsichtigte das Visitatorium im Rahmen der Sparmaßnahmen eine der Schulen einklassig zu machen. Nur durch den energischen Protest beider Gemeinde- und Schulvertreter konnte diese Anordnung verhindert werden.

Als dann der Schulleiter Christian Worm am 01.04.1932 in den Ruhestand trat, wurde die Stelle nicht wieder besetzt. Lehrer Wilhelm Kühl übernahm den Unterricht in der ersten Klasse, und die zweite Klasse wurde von den Lehramtsanwärtern Otto Sacht, Willi Jung, Hermann Breuer und von den Lehrerrinnen Erna Nissen und Elfriede Weis geführt. Vom 01.12.1935 an war die Schule einklassig unter der Leitung von Lehrer Wilhelm Kühl, der bis zum Ende des Jahres 1939 über keine besonderen Ereignisse berichtete.Über den Schulbetrieb während der Kriegsjahre sind keine Unterlagen vorhanden, erst von Januar 1945 beginnen wieder die regelmäßigen Aufzeichnungen. Von Januar bis März fiel der Unterricht wegen Feuermangel aus. Die Kinder holten sich nur täglich Hausarbeiten.

Anfang März erhielt die Schule 20 Mann Einquartierung. Am 09.03.1945 traf der erste Flüchtlingstransport ein. Beide Klassenräume wurden gebraucht. Resttruppen der Wehrmacht wechselten häufig, bis Anfang Juni der letzte Trupp die Schule verließ. Danach zogen Italiener, die bis dahin in Mohrkirchkrug gewohnt hatten, in die Klassenräume. Sie nutzten sie als Schlaf- und Aufenthaltsräume, aber auch als Tanzsaal und Schlachthaus. Herr Kühl atmete auf, als diese Episode beendet war.

Am 10.08.1945 konnte dann mit Genehmigung der Militärregierung endlich der Schulbetrieb von Lehrer Kühl und der Lehramtsanwärterin Frau Hagen wieder aufgenommen werden. 50 Einheimische und 57 Flüchtlingskinder hatten sie zu unterrichten, und durch das fehlen neuer Schulbücher -die alten waren verboten- wurde ihre Arbeit noch erschwert. Zum Schuljahresbeginn war die Schülerzahl auf 54 Einheimische und 80 Flüchtlinge angestiegen, die immer nur noch von zwei Lehrkräften betreut wurden. 14 Kinder wurden im Juni 1946 in die neueingerichtete dänische Schule umgemeldet.

Da die Schülerzahl immer noch anstieg -die höchste wurde mit 166 im Jahre 1950 erreicht- wurde mit Wirkung vom 01.07.1948 eine dritte Planstelle genehmigt, die der Lehrer Hans Thomsen aus Schleswig übernahm.Als im Oktober Frau Hagen zu einem Ausbildungslehrgang einberufen wurde, standen wieder nur zwei Lehrkräfte, und nach der Pensionierung von Herrn Kühl am 31.01 1949, nur noch Lehrer Thomsen zur Verfügung.

Erst als am 21.02 Lehrer Otto Schönemann (Bild rechts) in den Dienst gestellt wurde, normalisierte sich die Situation. Zeitweise wurde die Schule sogar vierklassig geführt.In die 3. Lehrstelle wurde Emil Polchow berufen, der dann nach dem Weggang von Hans Thomsen Schulleiter wurde, von 1951 bis zu seinem Tode 1958. Das nächste große Ereigniß für die Schule war der Bau einer Turnhalle (Bild unten), die vom 03.01.1958 an benutzt werden konnte, und um deren Erstellung Lehrer Otto Schönemann sich besonders verdient gemacht hatte. Um sich europäischen Gepflogenheiten anzupassen, wurde nach zwei Kurzschuljahren 1967 der Schuljahresbeginn von Ostern auf Sommer verlegt. Nachdem sich der Plan, für für die vier Dörfer des Amtsbezirks Mohrkirch eine Dörfergemeinschaftsschule zu bauen zerschlug, beschlossen die Gemeinden Mohrkirchosterholz und -westerholz nach 99 Jahren Trennung nun wieder
  die Kinder gemeinsam zu unterrichten, um dadurch einen stärker gegliederten Unterricht zu ermöglichen. Die Jahrgänge 1,2,7,8 und 9 wurden in Mohrkirch-Osterholz, die übrigen in Mohrkirch-Westerholz unterrichtet. Frau Inge Malcha übernahm mit ihrem Kleinbus den Pendelverkehr. Die Bestrebungen, zu reinen Jahrgangsklassen zu kommen, gingen aber weiter während die Schülerzahlen sanken. Deshalb
beschlossen alle Gemeinden des im Jahre 1970 neu gebildeten Amtes Süderbrarup alle Hauptschüler der 5. bis 9. Klassen ab 1971 in einer zweizügigen Hauptschule in Süderbrarup zusammenzufassen, die Grundschüler aber in den Dörfern zu belassen.Der Schulverband Mohrkirch, dem auch die gemeinde Rügge beigetreten war, entschied das Mohrkirchwesterholzer Schulgebäude aufzugeben, die erste drei Klassen in Mohrkirchosterholz  und die 4. Klasse in Rügge zu unterrichten.
 Diese Regelung galt nur für ein Jahr. dann wurde von der pädagogischen Hochschule in unserem Amtsbezirk ein Versuch durchgeführt, der über vier Jahre lief und herausfinden sollte, ob die Vorschüler besser an Grundschulen, oder Kindertagesstätten zu fördern seien.Undere Vorschüler wurden der Grundschule angeschlossen und fortan im Schulgebäude in Rügge in zwei Gruppen von einer Lehrerin (Ina Hansmann) und einer Sozialpädagogin (Anke Bilet)  betreut. Die Vorschüler blieben bis 1980 in Rügge.
Dann gingen die Schülerzahlen soweit zurück, daß eine weitere Zusammenlegung erforderlich wurde. Nach langen, schwierigen Verhandlungen gelang es, die Vorschüler der Kindertagesstätte in Böel anzugliedern und die Böeler Grundschüler, die seit 1971 der Grundschule Süderbrarup angehörten, in Mohrkirch einzuschulen.
Ein Klassen- und ein Werkraum wurden neu errichtet, um den Jahrgangsunterricht zu gefährleisten. Schulträger ist inzwischen das Amt Süderbrarup als Schulverband geworden. Die Schülerbeförderung ist dem Linienverkehr angeschlossen und wird von einer überregionalen Firma durchgeführt.