Die Schule Mohrkirch-Westerholz

 

 

Nach dem Beschluß den Schulbezirk zu teilen, erwarb die Gemeinde Mohrkirch-Westerholz 1868 10 Heitscheffel Land von dem Bauern Peter Thomsen, Compagnie. Darauf wurde das heute noch erhaltene zweiklassige Schulgebäude mit Lehrerwohnung und Scheune erbaut.
Ein Teil der Scheune wurde als Schweinestall genutzt. Um das Spärliche Lehrergehalt aufzubessern, war die Selbstversorgung aus der Landwirtschaft und der Imkerei lebensnotwendig, besonders bei so Kinderreichen familien, wie die von Matthias Schmidt. Eine überlieferte Anekdote berichtet, das Herr Schmidt eines morgens während des unterrichts einen Bienenschwarm in seinem Garten entdeckte. Ihn einzufangen schien ihm wichtiger, als den Unterricht weiterzuführen. Mit einem Sprung aus dem Fenster wollte er in den Garten gelangen. Dabei zog er sich einen Hexenschuß zu. Dieses Mißgeschick ließ die Kinder so laut "Hurra" schreien, das man meinte , der Krieg sei ausgebrochen.
1932, die Schule war immer noch zweiklassig. Die vier unteren Jahrgänge wurden von Frl. Antonie Keßler in der Norderklasse unterrichtet, die Oberklasse von Herrn Friedrich Dehncke in der Südklasse. Man saß auf vier- oder fünfsitzingen Bänken, die mit den Tischen zusammengeschraubt waren.Zu jedem Platz gehörte ein eingelassenes Tintenfaß mit einem Blechdeckel. Eine Klappe konnte

heruntergelassen werden, um Schiefertafeln und Bücher darauf zulegen. B ei nichtgebrauch wurde beides auf einer Ablage unter dem Tisch verwahrt. Vor den Schülertischen stand auf einem Podest das Pult und der Lehrerstuhl. Die Fenster nach osten waren durch Fensterläden geschlossen, von den vier Nordfenstern

waren die unteren Scheiben weiß gestrichen, um ein Ablenken der Schüler durch den Straßenverkehr zu verhindern. An der Innenwand stand ein eiserner Ofen der bei Unterrichtsbeginn, oft rotglühend, durch einen Ofenschirm in seiner Wärmeabgabe gebremst werden mußte. Eine Klapptafel und ein Bücherschrank ergänzten das Mobiliar.

Die Süderklasse war ähnlich ausgestattet, sie hatte nur modernere zweisitzige Bänke. Im schmalen Flur befanden sich außer Kleiderhaken noch Regale, in denen früher die Holzschuhe und Klotzen aufbewahrt wurden. Im Schulgebäude trugen die Schüler Hausschuhe.
Frl. Keßler und Herr Dehncke waren musisch begabte Menschen, die sich für die Schule, aber auch für die Dorfgemeinschaft stark engagierten. Leider erkrankte Herr Dehncke 1938 schwer und starb am 17.01.1941. Frau Antonie Dehncke, die nach der Versetzung Frl. Keßlers 1939 nach Scheggerott, den Unterricht in der zweiten Klasse übernommen hatte, war von nun an bis zum Kriegsende allein verantwortlich für die Westerholzer Schule.
Im April 1945 kam Maria Johannsen (Bild links), nachdem sie in Lübeck an der Lehrerinnenbildungsanstalt ihre erste Lehrerprüfung bestanden hatte nach Hause (Frl. Johannsen ging selbst auf diese Schule) und wurde sofort an der hiesigen Schule zur Unterstützung von Frau Dehnke eingesetzt. Aber schon Mitte Mai wurden alle Schulen auf Geheiß der britischen Militärregierung geschlossen. Erst am 20. August konnte Frau Dehncke und Frl. Johannsen ihre Arbeit unter erschwerten Bedingungen wieder aufnehmen. Durch die vielen Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen und Pommern und den Evakuierten aus Kiel und Hamburg war die Schülerzahl auf über 120 angestiegen. Ein Teil der Kinder hatten über 1 Jahr überhaupt keine Schule

besucht. Bücher besaß man nicht, die alten durften nicht mehr benutzt werden und neue waren noch nicht gedruckt. Als Schreibmaterial holten sich die Kinder Schieferplatten von der zusammengebrochenen Scheune auf Kälberhagen. Fehlende Griffel wurden durch Nägel ersetzt. Zusammengedrängt saßen die Kinder zu fünft in den engen Bänken, die unruhigsten kamen an die Fensterbank mit einem Stuhl. Durch die äußerst beengten Wohnungen und die schlechten hygienischen Verhälnisse vieler Flüchtlingsfamilien bedingt, brachten die Kinder Kopf- und Kleiderläuse mit in die Schule. Zwei Mädchen waren von ihrer verzweifelten Mutter sogar kahl geschoren worden. Am schlimmsten war aber die russische Krätze. Von der Typhusepedemie blieben die Kinder weitgehend verschont, zwei Jungen verloren aber ihre Mutter.

Zum 01.01.1946 wurde Frau Dehncke pensioniert. Das war für Frl. Johannsen ein großer Verlust, hatte sie ihr doch in den ersten Monaten ihres Berufslebens in ihrer hilfbereiten und gütigen Art sehr unterstützt.Ihre Stelle übernahm Lehrer Rudolf Simla.
Wie in Mohrkirch-Osterholz fiel wegen Feuerungsmangel während der Wintermonate der Unterricht oft aus. Nach den Osterferien wurden 47 Kinder eingeschult, der stärkste Jahrgang, den es jemals gab. Für sie standen 8 Fibeln zur Verfügung. Es dauerte etwas länger, aber am Ende des Schuljahres konnten die meisten Kinder doch lesen.
1947 wurde Maria Johannsen die verantwortung über die Schulspeisung übertragen. Mit dem Pferdefuhrwerk ihrer Mutter fuhr sie alle vier Wochen nach Satrup um die Lebensmittel abzuholen. Ca 70 Portionen standen ihnen zu. In einem großen Waschkessel wurde dann die auf dem Speiseplan vorgesehene Suppe gekocht. In der großen Pause bekam jedes Normalverbraucherkind einen halben Liter davon in seinem mitgebrachten Henkeltopf. Sonnabends gab es manchmal Erdnüsse oder in seltenen fällen auch manchmal Schokolade. An solchen tagen wurden die Empfänger glühend von den Selbstversorgerkindern beneidet. Diese von den USA gespendeten Lebensmittel waren eine wertvolle Hilfe für die in diesen Jahren sehr klägliche Versorgung des Normalverbrauchers.
1948 trat wiederum ein Schulleiterwechsel ein. Er war erforderlich, weil Herr Simla Katholisch war, und Frl. Johannsen die Lehrbefähigung für Religion erst bei ihrer 2. Prüfung erwarb. Der Lehrer Erich Rensmeyer war gerade aus englischer Kriegsgefangenschaft zu seiner Familie nach Arnis zurückgekehrt. Ihm wurde die erste Stelle in Mohrkirch zugewiesen. Die Wohnung teilte sich die Familie mit Frau Dehncke.
Die in dem Jahr stattfindende Währungsreform wirkte sich auch auf den Schulbetrieb aus. Viele Flüchtlinge zogen in die Industriegebiete, weil sich dort für die inzwischen aus dem Krieg, oder der Gefangenschaft zurückgekehrten Männer bessere Arbeitsmöglichkeiten boten. Die Schülerzahlen gingen zurück. 1955 wurden nur 4 Kinder eingeschult, in den folgenden Jahren immer zwischen 10 und 15.
Die Wirtschaftswunderjahre machten sich bemerkbar. Neue Möbel wurden angeschaft, die eisernen Öfen durch eine elektrische Heizung ersetzt, die mit Nachtstrom gespeichert wurde. Leider war an kalten tagen der Strom bereits um 10:00 Uhr verbraucht; dann zeigte das Thermometer nur noch 12 Grad an.
Lehr- und Lernmittel standen in ausreichender Menge zur verfügung, wenigstens für die damaligen ansprüche. Durch die knappen Jahre war man sehr bescheiden geworden.
Der Bau der Turnhalle in Mohrkirch-Osterholz (1958) war auch für die Westerholzer Schüler eine große Errungenschaft, da sie von ihnen mit genutzt werden konnte. Der Sportunterricht wurde auf einen Nachmittag gelegt, damit alle Kinder sich mit einem Fahrrad zur Halle begeben konnten.
1960 zog Familie Rensmeyer in ihr neues Haus nach Satrup. Herr Rensmeyer ließ sich an die dortige Grund- und Hauptschule mit Aufbauzug versetzen. Sein Nachfolger wurde Lehrer Erwin Hill, der vorher in Mohrkirch-Osterholz tätig war. 1967 ließ sich Herr Hill für 1 Jahr beurlauben, um sich auf die Realschullehrerprüfung verzubereiten. Während dieser Zeit wurde er von dem Junglehrer Hans Steensen vertreten.
Neue Erkenntnisse der Pädagogen und Bildungswissenschaftler breiteten sich in nächsten jahren auch in unseren Dörfern aus. Die Kinder an wenig gegliederten Schulen seien benachteiligt. Reine Jahrgangsklassen mit Fachlehrern, Fachräumen und besseren Lehrmittelausstattungen wurden angestrebt, um eine Chancengleichheit zu erreichen. Die Voraussetzung dafür waren Dörfergemeinschaftsschulen. Ein Grundstück zwischen Böel und Mohrkirch wurde erworben.

Bevor aber mit dem Bau begonnen werden konnte, gingen die Schülerzahlen zurück, so daß ein immer größeres Einzugsgebiet erforderlich wurde, um Jahrgangsklasse möglichst zweizügig zu garantieren. Schließlich wurde der Plan fallen gelassen. Die weitere Entwicklung ist in der Geschichte der Mohrkirch-Osterholzer Schule dargestellt.