Die Volkshochschule Mohrkirch-Osterholz

 

1907-1931

 

Der Aufbau der Volkshochschule

 

Heute erinnert nur noch das Gebäude der einstiegen Volkshochschule Mohrkirch-Osterholz daran,daß in Mohrkirch damals die bedeutestendste deutsche Volkshochschule stand und Mohrkirch zeitweise Zentrum der Erwachsenenbildung im Lande war.Nachdem sich Mohrkirchosterholz gegen Tarup,Sörup,Süderbrarup und Satrup als Standort für die Schule durchsetzen konnte,wurde durch den
Mohrkircher Baumeister Heinrich Franzen das Gebäude errichtet.Die offizielle Eröffnung und Einweihung der Volkshochschule fand am 02.Juni 1907 statt,der ganze Ort war festlich geschmückt.
Direktor der Volkshochschule wurde der am 28.April 1862 geborene Heinrich Harms (Bild rechts),der vorher rektor an der Knaben-Bürgerschule in Meldorf gewesen war.Harms hatte sich schon lange mit dem Volkshochschulwesen beschäftigt.So widmete er sich auch in Mohrkirch mit ganzer Kraft diesem Gedanken.Er galt als ein schlichter mann mit festem Willen und knorriger Persönlichkeit.Die Volkshochschule sollte in seinen Augen Allgemeinbildung vermitteln,die Jugend über die kulturellen Werte belehren."Nicht Wissenschaft,sondern Lebensweisheit will sie vermitteln,"schreibt Harms über die Volkshochschule.Der Unterricht in Mohrkirch-Osterholz gliederte sich in drei Blöcke:Unterricht im Deutschen,Bürgerkundlicher- und Heimatkundlicher Unterricht.Die genauerin Unterrichtsinhalte stellt eine Übersicht dar: 
Nach der Eröffnung der Schule am 2.Juni 1907 begann ein dreimonatiger Kursus,zu dem sich nur fünf Schülerinnen angemeldet hatten.Nach weiteren schwach besuchten Lehrgängen stieg der besuch erst ab 1908 auf die erforderliche Schülerzahl.
Ab 1.Mai 1908 wurden jährlich fünfmonatige Kurse abgehalten,im Sommer für Mädchen, im Winter für Jungen.Die Schüler und Schülerinnen stammten überwiegend aus bäuerlichen Familien und sollten mindestens 16 Jahre alt sein,um nach der Volksschule durch die Volkshochschule mehr Allgemeinbildung vermittelt zu bekommen.
Wie eine Statistik der Schule von 1926 ausweist,kamen die Schüler überwiegend aus Schleswig-Holstein und Nordschleswig,ein Schüler kam sogar aus China.Die Schüler wohnten im Schülerheim der Volkshochschule,sie bekamen dort Kost und bildeten so gemeinsam mit den in der Schule wohnenden Lehrkräften eine Familie.
Neben dem normalen Unterricht wurden den Schülern Vortragsabende geboten,die auch den Mohrkircher Dorfbewohner offenstanden.Eine rund 3000 Bände Bibliothek stand den Schülern zum Selbststudium zur Verfügung.

 

Die Schule wärend des 1.Weltkrieges

Die Finazielle Lage Der VHS war vor dem 1.Weltkrieg durchaus gut,die Kurse waren gut belegt.Daher konnte die Schule unabhängig von staatlichen Zuschüssen arbeiten.

Die Arbeit wurde von H.Harms folgendermaßen zusammengefast:"Es war ein frisches,freudiges Arbeiten in den Jahren 1907-1914.Die Schule war immer schon fast ein

volles Jahr vor Beginn des betreffenden Kursus belegt."  In diese erfolgreiche Arbeit brach plötzlich der 1.Weltkrieg herein. Die Männerkurse mußten ausfallen,da die jungen Männer im Feld waren.Dafür wurden Gewerbeschulkurse für junge Mädchen

angeboten,die aber nur schwach besucht waren.Manche Kurse mußten ganz ausfallen,wodurch die Schule in finazielle Schwierigkeiten geriet.Aber auch in der Versorgung der Schülerinnen gab es Probleme,wie Harmssie schildert:"Die Rationierung des Brotes brachte schon manche Entsagung mit sich.Wie häufig kam es vor,daß junge Mädchensagten:"Ich bekomme heut Abend ein Stück Schwarzbrot mehr,denn ich war Schwerarbeiterin!"

Zu den Schwerarbeiten gehörten Holzsägen,Dünger- und Kompostfahren,Gartengraben,Feuerung abladen.Mit welchewr Entsageung haben die Schülerinnenalle Kümmernisse,alle Trauer ertragen.Wahre Heldinnen waren es!  
Eines tages mußte ich ihnen die Eröffnung machen,daß sämtliche Lebensmittel aufgezehrt seien.Wir wußten am Morgen noch nicht,was wir mit 42 Personen zu Mittag essen sollten.Ein Vater zahlte einen Monat im voraus sein Schulgeld,wofür Speck und Kartoffeln gekauft wurden,und ein anderer stiftete zwei Fuder Holz.Die Schülerinen,schon auf die schleunigste Abreise eingestellt,jubelten,daß sie jetzt bleiben konnten.
So konnte die Schule mit vieler Entsagung durch den Krieg gebracht werden,an keinem tag wurde ausgesetzt."

 

Die Zeit nach dem 1.Weltkrieg

Nach dem Ende des 1.Weltkrieges wurden ab 1.Mai 1919 Jahreskurse für Mädchen eingerichtet,womit Mohrkirch-Osterholz die ertse Volkshochschule Deutschlands war,die als reine Volkshochschule Jahreskurse einrichtete.Die Unterrichtsinhalte blieben im wesentlichen bestehen,allerdings wurden die naturwissentschaftlichen Fächer stärker betont.dazu kam aber noch eine politische Komponente.Mit der Kriegsniederlage waren in Deutschland die bisher gültigen Werte zusammengebrochen In dieser Zeit war es für die VHS besonders wichtig,den Aufstieg Deutschlands auf kulturellem Gebiet voranzutreiben,um die äußeren Verluste auszugleichen.
Auch im Grenzkampf um Nordschleswig spielte die VHS eine Rolle,denn die deutsche Minderheit in Nordschleswig wollte ihre deutsche Kultur pflegen und damit die Zugehörigkeitzum deutschen Volkstum zu bewahren.Zwar griff die VHS Mohrkirch-Osterholz nicht aktiv in den Grenzkampf ein,man versuchte aber,möglichst viele Mädchen aus Nordschleswig für einen Kursus in Mohrkirch-Osterholz zu gewinnen.
Im Jahre 1919 rückte dei Mohrkirch-Osterhozer Volkshochschule in den Blickpunkt des deutschen Volkshochschulwesens,als hier eine dreiwöchige Volkshochschultagung stattfand,nämlich der "1.Staatliche Kursus zur Ausbildung von Lehrern an Volkshochschulen".Vom 7. bis 26.September 1919trfen sich namenhafte Vertreter des Volkschulhochwesens aus ganz Deutschland,um in Mohrkirch -Osterholz über den Wiederaufbau zu beraten.Durch diese tagun g erfuhr die Volkshochschulbewegung in Deutschland neue Impulse,und die VHS Mohrkirch-Osterholz wurde landesweit bekannt.
Aufgrund der gutbesuchten Jahreskurse und der tagung wertete H. Harms die zeit von 1919 bis 1923 als "geistigen Höhepunkt der Schule".übersehen werden darf dabei allerdings nicht,daß die Schule auch weiterhin finazielle Probleme hatte,die durch die Inflation noch verstärkt wurde.

 

Einführung des neuen Direktors D.Ehmsen

Das Jahr 1927 stellt einen bedeutenden Wendepunkt in der Geschichte der Schule da: nachdem Direktor harms ab 1.Februar 1926 aus Gesundheitsgründen in den Ruhestand versetzt worden war,aber noch bis Herbst 1927 in Mohrkirch als Direktor ohne Gehalt tätig war,wurdee er am Sonntag,den 25.September 1927,feierlich verabschiedet. Er hatte damit 20 Jahre die Volkshochschule Mohrkirch-Osterholz als Direktor geleitet und geprägt.
Seine Abschiedsfeier fand gemeinsam stattmit der Schlußfeier des Sommerkurses 1927,der Feier des 20 jährigen Bestehens der Schule und Einführung seines Nachfolgers.Heinrich Harms zog nach seiner Verabschiedung nach Eutin,wo er am 13.März 1946 verstarb.

 

Als neuer Direktor wurde der 1881 bei Preez geborene Detlev Ehmsen eingeführt.Er war seit 1916 Rektor der Volksschule mit gehobenem Zug in Rheinfeld und hatte sich sehr mit der Volkshochschulbewegung befaßt.Unter Direktor Ehmsen wurde die Volkshochschule mehr zu einer praxisorientierten Haushaltungsschule.Betont wurde die Aufgabe der Mädchen als "deutsche Frau und Mutter",als Hüterin des Herdes,die durch ihre entwickelte "hausmütterliche Veranlagung" im stande sein sollte,eine "sparsame und geordnete Hauswirtschaft" zu führen.Verstärkt wurden nun auch Kurse für Mädchen aus Nordschleswig angeboten,die in Nachschulkursen in Mohrkirch-Osterholz die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen sollten.

 

 

Das Ende der Volkshochschule Mohrkirch-Osterholz

Die Schulden der Volkshochschule stiegen,von den Einnahmen konnten die nötigen Ausgaben nicht mehr gedeckt werden.Von staatlichen stellen war in der Zeit der Weltwirtschaftskrise keine U(nterstützung zu erwarten.
Auch die Mohrkircher Gemeindevertretung lehnte am 16.Mai 1928 einen Zuschußantrag der Schule unter Hinweis auf eigene schlechte Haushaltslage ab.Hinzu kam,daß Direktor Ehmsen die Lehrkräfte ständig wechselte.Da die Problemefinazieller und personeller Art sich derart verschärften,mußte die Volkshochschule Mohrkirch-osterholz am 1.Oktober 1931 ihren Schulbetrieb beenden.Direktor Ehmsen zog nach Wandsbek und starb am 11.Februar 1947 in Kiel.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das leerstehende Gebäude zum Landjahrheim ausgebaut,1942 wurde der Reichsnährstand Eigentümer des Gebäudes.Gegen Kriegsende wurde das gebäude für die Belegung mit Vertriebenen und Ausgebombten freigegeben und bildete so für viele Flüchtlinge eine erste Heimat.
Als dann 1945 die Pläne für eine "Grenzhochschule" wiederaufgegriffen wurde,wollte man zunächst in Mohrkirch-Osterholz diese Bildungsstätte einrichten.Es stellte sich jedoch heraus,daß das Volkshochschulgebäude derart herabgewirtschaftet war,daß eine Wiederherstellung nicht zweckmäßig schien.So beschloß man,die neue Heimvolkshochschule für die Landschaft Sankelmark zu errichten.
Für Mohrkirch endete damit allerdings eine Zeitepoche,in der Mohrkirch als Zentrum der Erwchsenenbildung im Lande galt.

 

Heute sind die einzelnen Klassenzimmer zu Wohnungen umgestaltet worden.

Quelle aus der "Dorfchronik Mohrkirch"